Gattung Cryptophilus Rtt.

ColeopteraPolyphagaClavicorniaLanguriidae
Von Arved Lompe (n. G.A. Lohse, B. Franzen, J. Esser)Literaturverzeichnis ⇒
Oberseite dicht behaart, Flügeldecken mit feinen öfter etwas gestörten Punktreihen. Bei oberflächlicher Betrachtung einem schlanken Cryptophagus ähnlich. Schienen in 2/3 der Länge am breitesten, zur Spitze wieder stark verschmälert; beim ♂ stärker als beim ♀. Endglied der Kiefertaster schlank, der Lippentaster dick, eiförmig. Halsschildseitenrand nur sehr fein gekerbt, fast glatt, gleichmäßig leistenförmig gerandet, sehr kurz und dicht bewimpert. Halsschild ohne Längsleisten. Fühler mit gestreckter 3-gliedriger Keule. Die Tiere leben an schimmelnden Substraten und zumindest 2 Arten sind durch Futter- und Lebensmittel weit verbreitet worden. Die ♂ (aller Arten?) sind durch Körnchen am Hinterrand der Hinterschienen und zahnförmig ausgezogene Trochenteren der Hinterhüften ausgezeichnet [Abb. 1]. Nach Leschen (l.c.) gehören weltweit 19 beschriebene Arten zu dieser Gattung sowie weitere unbeschriebene, zumeist in tropischen und subtropischen Zonen.
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Abb. 1
#1
→ 2Halsschildseitenrand nicht oder schmal abgesetzt [Abb. 2], die Hinterecken verrundet oder stumpfwinkelig, die Vorderecken kaum vorgezogen. Die Fühlergeißel länger und schlanker, nicht halb so breit wie die Keule; das letzte Glied kaum kleiner als das vorletzte [Abb. 3].
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Abb. 2
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Abb. 3
obliteratus Rtt., 1874Fundmeldungen🗺Coleoweb-Halsschildseitenrand breit abgesetzt [Abb. 4], Vorderecken winkelig vorgezogen und Hinterecken zahnförmig vorstehend, bei einigen Exemplaren der Seitenrand vor der Hinterecke deutlich konkav. Fühlergeißel kurz und dick, etwa halb so breit wie die Keule; das letzte Glied merklich kleiner als das vorletzte [Abb. 5]. Punktierung grob, Punktreihen immer deutlich erkennbar. Färbung sehr variabel, dunkelbraun bis rostrot mit hellerem Schulterbereich [Abb. 6], oft nur unscharfe Verdunklungen auf den Flügeldecken aber im allgemeinen dunkler als propinquus. Aedoeagus [Abb. 7]. Spermatheka [Abb. 8]. Größer: 2,4-3,1 mm. B: Die seit 1982 gemeldeten Funde aus Mitteleuropa lassen die Vermutung zu, daß sich die Art ebenfalls mycetophag ernährt. D: Aus Japan beschrieben und offensichtlich in Ausbreitung begriffen. Deutschland: Umgebung Köln, Südwestdeutschland, Thüringen, Niedersachsen
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Abb. 4
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Abb. 5
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Abb. 6
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Abb. 7
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Abb. 8
#2
→ 3Halsschild mit gerundeten Seiten [Abb. 9], Hinterecken gerundet oder +/- stark winkelig. Fühlerglied 6 bis 8 allmählich größer werdend [Abb. 10] [Abb. 3].
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Abb. 9
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Abb. 10
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Abb. 3
angustus Rosenhauer, 1856🗺Coleoweb-Halschild mit +/- geraden Seiten (subparallel) [Abb. 11] und verrundeten Hinterecken. Fühlerglied 7 auffallend größer als 6 und so groß wie 8 [Abb. 12]. Habitus [Abb. 13]. Aedoeagus mit viel längeren und anders beborsteten Parameren [Abb. 14]; der Medianlobus daher nur ~1,4 x so lang ist wie die Parameren. D: Im Mittelmeergebiet weit verbreitet. (=simplex (Wollaston))
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Abb. 11
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Abb. 12
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Abb. 13
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Abb. 14
#3
propinquus Reitter, 1874Fundmeldungen🗺ColeowebMit relativ langer, schräg abstehender Behaarung und feiner, oft schlecht erkennbar gereihter Punktierung [Abb. 9]. Stets einfarbig, meist hell lehmgelb bis hell rotbraun gefärbt. Aedoeagus [Abb. 15] [Abb. 16]; Medianlobus ~1,5-1,7 x so lang wie die Parameren. Kleiner: 1,8-2,5 mm. B: Schimmelfresser; in Kompost, Cerealien und Futtermitteln. D: Eine fast kosmopolitisch verbreitete Art. Im Mittelmeerraum häufig; nach Mitteleuropa eingeschleppt, und in neuester Zeit regelmäßig, manchmal zahlreich, im Autokescher gefunden. (=integer auct. nec Heer, 1841) Die Halsschildform, die Form seiner Hinterecken und auch die Breite des Seitenrandes scheinen bei C. propinquus recht variabel zu sein; es gibt Tiere mit verrundeten und solche mit leicht zahnförmigen Hinterecken des Halsschilds. - Die Untersuchung von Cryptophilus integer durch Esser (l.c.) hat ergeben, dass sich hinter diesem Namen zwei Arten verbergen: C. propinquus Reitter, 1874 und C. angustus Rosenhauer, 1856. Der Name "integer" steht für Cryptophilus nicht mehr zur Verfügung, er ist ein jüngeres Synonym von Micrambe abietis (Paykull, 1798).
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Abb. 9
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Abb. 15
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Abb. 16
sp_rodewaldFundmeldungen-Nur mit sehr verstreuten sehr kurzen Härchen [Abb. 17]; daß die Haare überall so gleichmäßig abgerieben sind, erscheint erst einmal unwahrscheinlich, da nirgendwo auch nur ein einziges längeres Härchen vorhanden ist; das ließe sich aber vielleicht durch eine lange Lebensdauer der Tiere erklären und/oder erhöhten Abrieb zum Beispiel im Wirbelbett des Staubabscheiders eines pneumatischen Förderers. Halsschildform etwas verschieden, die Unterschiede im Genital sind gering [Abb. 18]; der Medianlobus ~1,7 x so lang wie die Parameren. Alle Unterschiede aber im Rahmen der Variationsbreite von propinquus. Möglicherweise ein Artefakt. 2 Tiere in verschiedenen Jahren in Rodewald, Niedersachsen. Vor einer abschließenden Beurteilung soll das Auffinden weiterer Exemplare abgewartet werden.
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Abb. 17
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Abb. 18
Enthaltene Taxaangustus obliteratus propinquus sp_rodewald
Literaturverzeichnis
Reitter, E. (1874): Beitrag zur Kenntnis der japanesischen Cryptophagiden - Verhandl. d. Zoolog.-Botan. Gesellschaft in Wien, 24:379-382 >>>"Reitter1874 Cryptophilus.pdf"
Leschen, R.A.B. (2003): Erotylidae (Insecta: Coleoptera: Cucujoidea): phylogeny and review. - Fauna of New Zealand, 47:1-108 >>>"F:\taxa\coleo\scans\Leschen2003 Erotylidae Neuseeland.pdf" und >>>http://www.landcareresearch.co.nz/__data/assets/pdf_file/0019/26290/FNZ47Erotylidae.pdf
Franzen, B. (1991): Vorläufige Mitteilung über eine Cryptophilus-Art neu für Mitteleuropa (Coleoptera: Languriidae) - Mitteilungen Arbeitsgemeinschaft Rheinischer Koleopterologen, 1(2):59-63 >>>"F:\taxa\coleo\scans\Franzen1991 Cryptophilus.pdf"
Esser, J. (2016): Über die Identität von Cryptophilus integer (Heer, 1841) (Coleoptera: Erotylidae). - Entomologischen Nachrichten und Berichte 60 (3/4): 213-218
Erstellt am: 13.07.2005 · Letzte Aktualisierung: 20.06.2026 - 03:02:03
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